Das schiefe, und/oder das schreiende und/oder das trinkschwache Baby

 

In die Praxen von Kinder- Jugendärzten kommen fast täglich Säuglinge, die in Rückenlage eine asymmetrisch verspannte Stellung einnehmen. Nicht selten ist auch bereits das Köpfchen schief: der Hinterkopf auf der Lieblingsseite des Kindes ist flacher als auf der Gegenseite, das gleichseitige Öhrchen steht ventral des gegenseitigen, auch Stirn und Auge stehen ein wenig vor. Diese Form der sog. Plagiocephalie (Flachschädel) nennen wir in der Osteopathie „Parallelogrammschädel“.

Auch Schreikinder, Babies mit Trinkstörungen und Störungen des Schlafrhythmus sind, wenn man sie osteopathisch untersucht, häufig ein wenig schief und verspannt. Wenn sich das Köpfchen in RL nur schwer in eine Richtung drehen lässt, in die Lieblingsrichtung aber gut, dann ist es fast schon sicher, dass eine osteopathisch behandelbare, sog. Dysfunktion vorliegt.

Die erste und wichtigste Information für Eltern in dieser Situation ist: Wenn ein Kind häufig auf dem Bauch liegen kann, dann zieht es sich mit eigener Kraft gerade. Bringen Sie Ihrem Kind also die Bauchlage bei und sorgen Sie dafür, dass es die wachen Stunden so oft wie möglich in in dieser Position verbringt, auch für längere Zeit; bis zu 70 Prozent der Wachperiode, das wäre gut. Die Bauchlage ist zudem die Ausgangslage für die grobmotorische Entwicklung: Also für das Erlernen von Umdrehen, Krabbeln, Aufrichten, Laufen.

Mit diesem Rat ist oft bereits fast alles gesagt. Wenn aber das Kind die Bauchlage nicht akzeptiert, die Befunde persistieren oder sogar schlimmer werden, dann kommt neben Physiotherapie die Osteopathie ins Spiel. Oft bahnt pädiatrische Osteopathie den Weg für eine erfolgreiche Physiotherapie, oft machen wir sie überflüssig, oft kann sie rascher beendet werden, als ohne unser Zutun. In schweren Fällen aber kommen wir ohne Physiotherapie nicht aus.

Ziel der osteopathischen und manualmedizinischen Behandlung ist es, steife Gelenkverbindungen zu lockern und Spannungsschmerzen der umgebenden Muskulatur zu beheben. Dies geschieht durch weiches Auseinanderziehen der Gelenke, hier besonders im Bereich der Kopfgelenke, und durch möglichst segmentale Mobilisation. Begleitend werden die in diesem Alter noch beweglichen Schädelknochen mit Impulsen gegen die Asymmetrie dazu angeregt, ihre ideale Position wieder einzunehmen. Die Erfolge sind oft überraschend gut. In der Regel können bleibende Asymmetrien vermieden werden und eine sog. Helmtherapie erübrigt sich.