Vorwort

 

Zahlreiche spezifische und unspezifische Beschwerden sind es, die - in den versorgenden Praxen oft nach dem Eindruck von Eltern und Patienten nicht ausreichend bewertetet - bei Eltern den Wunsch auslösen, ein osteopathisch tätiger Arzt oder ein Physiotherapeut möge sich um ihr Kind kümmern und ihm helfen. In dieser kleinen Broschüre möchte ich Ihnen die wichtigsten kinderosteopathischen Indikationen benennen und in ausgewählten Fällen erklären, wie wir dabei vorgehen.

Denn unser Gebiet, die osteopathische Medizin, ist in der Welt der traditionellen Medizin nicht ohne Weiteres anerkannt. Die klassische Medizin hat sich ihre berechtigte hohe Akzeptanz hart erarbeitet: Die Hygiene, die Impfungen, die Prävention, moderne Diagnoseverfahren in der Radiologie und im Labor, moderne Operationsverfahren, eine immer ausgefuchstere und spezialisiertere Pharmakotherapie und die hohe Spezialisierung der Ärzte, das sind Fortschritte, ohne deren Wirkung ein modernes Leben heute nicht mehr vorstellbar ist.

Osteopathische Medizin aber fußt auf uralten Erkenntnissen aus der funktionellen Anatomie und auf Erfahrungen von Ärzten, die ohne gründliche Schulung nicht nachvollziehbar sind. Die Diagnostik und Therapie auf der Basis biologischer und nur mit dem Tastsinn erfassbarer Rhythmen, der explizite Anteil an subjektiver Sensität sowohl in der Diagnostik als auch in der Wirkung auf den Patienten: Solche Faktoren lassen sich in das Denkschema der klassischen Medizin nicht einordnen. Allerdings können wir die Wirkungen der osteopathischen Interventionen wissenschaftlich genauso belegen, wie die von Arzneimittelbehandlungen. Und: wie in der Osteopathie, so auch in der traditionellen Medizin: Erfahrung spielt eine wesentliche Rolle bei Therapieentscheidungen. So natur-wissenschaftlich z. B. die Therapie mit Antibiotika auf den ersten Blick zu sein scheint: Es besteht keinerlei Einigkeit unter Ärzten selbst über gängigste Indikationen, z. B. den Einsatz von Antibiotika bei Halsschmerzen, bei Mittelohrenzündung und bei Husten.

Kontraindikationen gegen osteopathische Behandlungen gibt es eigentlich keine. Allerdings muss vor der Behandlung geklärt werden, ob eine definierbare Erkrankung vorliegt, oder nicht. Ob also z. B. ein Infektion oder eine Entzündung vorliegt, ein Tumor, eine Fraktur oder Ruptur. In Kenntnis der Grunddiagnose aber kann begleitende und vorsichtig ausgeführte osteopathische Therapie bei fast allen Krankheiten den Heilungsverlauf beschleunigen oder einfach nur Schmerzen lindern.

Die Liste der Indikationen, die ich im Folgenden benenne, kann aus diesem Grund nicht vollständig sein. Denn die Anwendungsmöglichkeiten osteopathischer Behandlungen sind so vielfältig wie das Leben. Aber, unsere Therapie setzt eine genaue Diagnostik im traditionell medizinischen und im osteopathischen Fachgebiet voraus.

 

Die spezielle osteopathische Diagnostik sucht nach „Dysfunktionen“, von Muskeln, Gelenken, Sehnen, Membranen und Organen. Wesentliches Werkzeug dafür ist der Tastsinn unserer Hände.

Diese Hände sind dann auch das wesentliche Werkzeug der Therapie. Durch gezieltes und in der Regel weiches Schieben, Ziehen, Drehen, Drücken oder auch durch einfaches Ertasten und Beobachten innerer Zirkulation führen wir die Organe in die ihnen angestammte Position und Funktion. Unser Ziel ist es, gesunde Eigenkräfte des Körpers freizusetzen, die helfen, Leiden zu lindern und gesundes Funktionieren von körperlichen und psychischen Systemen zu ermöglichen.